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Die Geschichte der Drogerie in Österreich


Schon am 17. Juni 1886 wurde eine Verordnung erlassen, die es den Drogisten gestattet, Kräuter in Arzneibuchqualität als Arzneidrogen zu verkaufen. In den Archiven des 1906 gegründeten Österreichischen Drogistenverbandes und des Pharma- und Drogistenmuseums finden sich Unterlagen und Schaustücke, die viel aus der Geschichte der Drogerie in Österreich erzählen. Drogistenzeitungen bis ins Jahr 1888 zurück geben uns ein lebendiges Bild aus der Zeit, in der unsere Währung noch nicht Euro, nicht Schilling, ja nicht einmal noch Krone, sondern Gulden hieß und Österreich-Ungarn zu den Weltmächten zählte.


Der Handel war damals rohstofforientiert gegliedert. Die Drogerie hatte in dieser Ordnung die Aufgabe, Drogen (=getrocknete Kräuter, pflanzliche Arzneimittel) und Chemikalien zu vertreiben. Industriell gefertigte Markenartikel gab es praktisch noch nicht. Die Hausfrauen wussten, aus welchen Grundsubstanzen gute und wirksame Produkte für Schönheit, Gesundheit und Haushaltspflege gemischt werden konnten - und dort, wo sie Tipps oder fertige Zubereitungen benötigten, half der Drogist gerne weiter. Kräutermischungen, Zahncremen, Franzbranntwein, Zahnpulver, Hautcremen, Bleichwasser, Schuhpaste oder Blechputzmittel gehörten zu den Hausspezialitäten, die die Drogisten selbst herstellten. Der Händler selbst garantierte mit seinem Namen für die Qualität seiner Ware. Natürlich konnte man fast alle Produkte nach Dekagramm oder Liter - genau in der benötigten Menge - erwerben. Abgefüllt wurde in Papiersäckchen, Glasflaschen oder mitgebrachte Gefäße. Ein äußerst umweltfreundliches System, das keine Müllberge entstehen ließ. Auch die Fotografie hatte in der Drogerie ihre Kinderstube. Die ersten Fotografen erstanden die Chemikalien zur Herstellung und Entwicklung der lichtempfindlichen Materialien natürlich in der Drogerie. Dort bekamen sie auch die richtigen Rezepturen für die erfolgreiche Entwicklung ihrer Werke.


Um 1900 begann die industrielle Produktion bedeutsam zu werden. Während des 1. Weltkrieges litt die Industrie unter Rohstoffmangel. In der Zwischenkriegszeit setzte das Wachstum der Markenartikelerzeuger ein. Auch die Drogerien verkauften immer mehr dieser Produkte, die mit wohlklingenden Namen versehen und in ganz Österreich in gleicher Ausführung angeboten wurden. Neue Geschäftsfelder wurden erschlossen. Die Fotografie begann immer mehr auch für Amateure interessant zu werden. Daher bot es sich an, neben den Chemikalien auch Filme und Fotopapiere anzubieten. Auch die ersten Fotolabors für Amateurausarbeitung entstanden in den Räumlichkeiten der Drogerien. Unglaublich klingt es heute, dass man in der Drogerie auch den Treibstoff fürs Auto kaufen konnte. Die ersten Tankstellen wurden nämlich erst um 1930 errichtet. 1927 gab es in ganz Österreich erst ca. 14.000 PKW. Noch zu wenige, um ein Tankstellennetz zu betreiben.


Der 2. Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Ereignissen hat natürlich auch den Handel arg in Mitleidenschaft gezogen. Viele Geschäftsbesitzer hatten das Naziregime oder die Kriegsereignisse nicht überlebt. Häuser waren zerbombt, Geschäfte zerstört. Der Wiederaufbau forderte die ganze Kraft der Österreicher. Die ersten Nachkriegsjahre waren durch Warenmangel gekennzeichnet. Die schwierigste Aufgabe des Kaufmanns war es nicht, Kunden für seine Ware zu gewinnen, sondern Ware für seine Kunden aufzutreiben. Erst 1953 wurde die Rationierung von Lebensmitteln beendet und der Aufschwung in Richtung Wirtschaftswunder begann. Ein Aufschwung, der für den Handel allerdings auch extreme Veränderungen brachte. Die kleinen Geschäfte mit persönlicher Bedienung bekamen Konkurrenz durch Selbstbedienungsläden. Die intensiv beworbenen, industriell gefertigten Markenartikel boomten und lösten die gewerblichen Eigenerzeugnisse rasch ab. Das erleichterte den Händlern zunächst die Arbeit gehörig. Statt mühevoll einzuwiegen und zu mischen, reichte man nur mehr ein fertiges Produkt über den Ladentisch. Um Markenartikel einfach aus dem Regal zu nehmen, bedurften die Konsumenten jedoch bald nicht mehr der Hilfe des Kaufmanns. Werbung ersetzte die Beratung. Im Lebensmittelhandel bedeutete diese Entwicklung das Ende für Milchfrau und Greißler. Die Drogerie durchlebte einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die gewöhnlichen Haushaltsartikel verschwanden zusehends aus den Regalen. Die Drogerie spezialisierte sich auf jene Produktgruppen, die weiterhin einer Beratung durch qualifizierte Mitarbeiter bedürfen. Besonders Gesundheit, Schönheit und Wellness – pflanzliche Arzneimittel, Heilkräuter, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Naturkosmetik  - entwickelten sich zum wichtigsten Warensortiment der Drogerie.


Die Drogerie von heute steht nach wie vor für qualifizierte Kundenberatung, die dem Konsumenten hilft, aus einer Vielzahl von Produkten das für ihn beste zu finden.